Erziehung – Status Quo Vadis?

Herzlich Willkommen auf der Startseite unseres Projekts „Erziehung – Status quo vadis?“! Wir, das sind: Jan Frederik Bossek, Ronnie Oliveras und Anja Schierbaum (mehr über uns erfahren Sie hier). Zurzeit arbeiten wir an der Veröffentlichung unseres Herausgeber:innenbandes „Erziehung – Quo Vadis?“, der 2022 im Verlag Beltz Juventa erscheinen soll. Im Mai 2021 fand unsere digitale Tagung zum Thema „Erziehung – Status Quo Vadis?“ an der Universität zu Köln statt (Mehr Informationen hierzu finden Sie hier).
Darüber hinaus sind noch weitere Projekte in Planung.

Den Flyer können Sie hier herunterladen.

Unser Anliegen lässt sich so zusammenfassen:

Erziehung hat sich in der Spätmoderne nicht verflüchtigt und ist auch nicht, wie noch in den 1980er Jahren häufig prognostiziert, an ihr Ende gekommen. Im Gegenteil: Weil sich der ‚pädagogische‘ Zeitgeist der Spätmoderne durch neue Anforderungen wie der permanenten Arbeit an sich selbst, sich lernend zu verändern, und starke Ideale wie elterliches Engagement, kindliche Leistungen etc. auszeichnet, sind Eltern, aber auch Lehrer*innen und Pädagog*innen zunehmend aufgefordert, konjunktive Erfahrungsräume des Aufwachsens zu schaffen und Erziehung so zu gestalten, dass sich Kinder und Jugendliche mit kulturellen Normen auseinandersetzen und sich gegenüber gesellschaftlichen Anforderungen bewähren können. Mehr noch: Eltern, Lehrer*innen und auch Pädagog*innen sind dazu aufgerufen, sich zu Erziehung – Erziehungsfragen, Erziehungspraxis oder auch ‚rezeptförmigen Anweisungen‘ – zu positionieren. Damit sind verstärkt neue Aufmerksamkeiten für Erziehungstatsachen in verschiedenen Institutionen, etwa der Familie, Kindergarten und Schule, sozialpädagogischen Einrichtungen bis hin zu Organisationen der Erwachsenenbildung, verbunden. Darüber hinaus existiert ein breit geführter Diskurs um Erziehung, zum Beispiel im Populären – wie etwa im gestiegenen Interesse an Erziehungsratgebern; im Rahmen sozialpolitischer Auseinandersetzungen und öffentlicher Krisendiskurse – vom Humankapital über PISA bis zum Kindeswohl; in fachwissenschaftlichen Debatten hinsichtlich der Gestaltung von Erziehung – von Care bis zur verantworteten Elternschaft.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass aktuell kaum die Frage gestellt wird, was unter Erziehung eigentlich zu fassen ist. Dieser doppelten Leerstelle, des Erziehungsbegriffs auf der einen und der Komplexität des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurses auf der anderen Seite, wollen wir mit der Tagung „Erziehung – Status Quo Vadis?“ begegnen, die sich explizit dem Thema Erziehung widmet. Ziel der Tagung ist es, sich dem Erziehungsbegriff und der empirischen Erforschung der Erziehungswirklichkeit über ihre Aufgaben, Ziele, legitimen Mittel und Wirkungsweise, aber auch über ihre gesellschaftliche Funktion anzunähern. Wir wollen konzeptionelle und theoretische Perspektiven auf Erziehung auf den Prüfstand stellen und aktuelle empirische Zugriffe auf die Erziehungswirklichkeit in institutionellen Kontexten erkunden. Dabei erscheint es uns unerlässlich, eine interdisziplinäre Perspektive einzunehmen, weil Erziehung, so die These, disziplinär verschiedenen Logiken folgt, die in der ‚Erziehungsforschung‘ kaum thematisiert werden (als Schwerpunkte können z.B. die Bedeutung von Zeigen und Lernen, Intentionalität und Funktionalität oder Erziehungsstilen identifiziert werden). 

Zentrale Fragen, die wir uns stellen, lauten:

Was zeichnet Erziehung aus?
Wie lässt sich der Erziehungsbegriff wissenschaftsdisziplinär verankern? 
Wie gestaltet sich Erziehung (je nach disziplinärem Kontext)?
Wer ist jeweils für Erziehung verantwortlich?
Wie wird Verantwortung zugewiesen und übernommen? 
Was sind die Aufgaben von Erziehung; wie und wodurch werden diese erfüllt und welche Problemlagen ergeben sich? 
Wie und wodurch ist Erziehung von anderen sozialen Praxisformen wie zum Beispiel dem Fördern, Sorgen, Achten, Unterstützen, Lehren und Lernen etc. zu differenzieren?
Inwiefern lässt sich Erziehung (theoretisch als auch empirisch) gegenüber Bildung und Sozialisation abgrenzen? 
Wie wird ‚Erziehungswirklichkeit‘ empirisch untersucht?
Inwiefern werden in der Empirisierung von Erziehung verstärkt Lern- und Bildungskontexte erkundet und Erziehungstatsachen als Bildungstatsachen problematisiert?